Angedacht

Mon, 11 Jul 2022 14:23:34 +0000 von Anne Mika

© Anne Mika
Alle haben ihr Päckchen zu tragen. 
Das ist wohl so. Ich zumindest bin noch niemandem begegnet wo wirklich ein Leben lang alles nur eitel Sonnenschein war. 
Den einen belastet ein andauernder Streit in der Familie, die andere wird von körperlicher oder seelischer Krankheit geplagt. Der eine steckt irgendwie ständig bis zum Hals in der Arbeit, die andere kann nie nein sagen und übernimmt dauernd neue Aufgaben. 
Wie lange machen wir so weiter bis wir unter der Last zusammenbrechen? 
Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ 
Wochenspruch aus dem Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 6, Vers 2. 
Lese ich nur den ersten Teil dieses Satzes, so geht er mir komplett gegen den Strich. 
Ich habe auf die harte Tour lernen müssen, dass ich anderen ihre Last nicht abnehmen kann. 
Wenn ich die Sorgen, Schwächen und Gebrechen anderer zu meinen eigenen mache ist niemandem geholfen. Dann leiden zwei statt nur einer Person. 
Das Evangelium, die befreiende Botschaft, steckt im zweiten Satzteil. 
Es geht darum das Gesetz Christi zu erfüllen. Das Dreifachgebot der Liebe. 
  1. Liebe Gott
Gott zu lieben heißt ihm auch voll und ganz zu vertrauen. 
Gott lädt dir keine Last auf die du nicht tragen kannst. 
Christus sagt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. 
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu: 
Ein Joch ist selbst eine Last, eine Last zu der anderen Last hinzu; und die doch die eigentümliche Art hat, die andere Last leicht zu machen. Eine Last, die einen Menschen einfach zu Boden drücken würde, wird erträglich durch das Joch. 
  1. Liebe deinen Nächsten
Also möchte Gott mir durch seine Weisungen das Leben nicht schwerer, sondern leichter machen. Darauf kann ich vertrauen. Aber was kann ich nun tun, wenn mein Mitmensch leidet. Droht unter seiner Last zusammenzubrechen. Ich aber weiß, ich kann sein Päckchen doch nicht für ihn tragen. Ich kann nicht jeden Familienstreit erfolgreich mediieren. Ich kann nicht an eines anderen statt erkranken. Arbeit kann ich jemandem auch nur bedingt abnehmen. Auch mal „nein“ zu sagen muss am Ende jeder selber schaffen. 
Was kann ich also tun um dennoch das Gesetz Christi zu erfüllen, meinen Nächsten zu lieben? 
Ich kann die Last meiner Mitmenschen ertragen. Mir die schlimmen Familiengeschichten anhören und auch mal Ersatzfamilie sein. Ich kann den Kranken die Hand halten, ihren Anblick aushalten, auch wenn es schwer fällt. Für die Verzweifelten glauben, hoffen und beten. Angesichts selbst der brutalsten Realität. Ich kann ertragen, wenn jemand der völlig überarbeitet ist mich mal zickig anfährt, zum x-ten Mal eine Verabredung absagt oder einfach mal alles rauslassen, aussprechen muss. Ich kann mich auch mal selber zur Verfügung stellen für eine Aufgabe, wenn ich weiß, dass sich sonst doch nur die immer Gleiche dafür melden wird. 
  1. Liebe dich selbst
Ich kann die Last meiner Mitmenschen ertragen. Ich kann sie aushalten. Aber, das geht nur, wenn ich gut für mich selber sorge. Liebe dich selbst. Ein guter Christenmensch zu sein heißt nicht, sich mit die Lasten anderer aufzuladen und daran (mit) zu zerbrechen. Das übernimmt Christus für uns am Kreuz. Dieses Opfer anzunehmen und aus der dadurch gewonnenen Freiheit zu leben, ist unser Privileg. Das Gesetz Christi sorgt für alle. 
Amen. 


Es wünscht euch eine gesegnete Woche, eure Pfarrerin Anne Mika